Programm Teachers’ Day – 9. September 2026 – DMV-Tagung 2026 Konstanz
Die Jahrestagung der Deutschen Mathematiker-Vereinigung findet dieses Jahr zum ersten Mal an der Universität Konstanz statt. Wie gewohnt bietet in diesem Rahmen der Teachers' Day eine besondere Gelegenheit für Information, Diskussion und fachlichen Austausch für Lehrkräfte.
Wir laden Sie herzlich ein, die Vorträge und Podiumsdiskussionen in den beiden Parallelgruppen am Nachmittag sowie den öffentlichen Abendvortrag im historischen Konzil zu besuchen.
Die Abstracts der Vorträge sehen Sie weiter unten.
| Uhrzeit | 1. Parallelgruppe Leitung: Prof. Dr. Reinhard Racke (U Konstanz) | 2. Parallelgruppe Leitung: OStR Holger Schühle, BiSE (U Konstanz) |
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| 13:30 – 14:20 | Prof. Dr. Sebastian Bauer (KIT): Modellierung mit Differentialgleichungen im Analysisunterricht der Kursstufe |
Prof. Dr. Rainer Kaenders (U Bonn): Der Wein der Weisheit – Omar Chayyām als Begründer des modernen Zahlbegriffs und als Poet der Lebenslust |
| 14:30 – 15:30 | Podiumsdiskussion: Fördermöglichkeiten, insbesondere Grouping-Konzepte, für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler Mit Vertretungen der Hochbegabtenzüge an Gymnasien in BW, des LGH Schwäbisch Gmünd und des MINT-Exzellenz-G Bad Saulgau |
Prof. Dr. Meike Akveld (ETH Zürich): Knoten in der Mathematik |
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| 16:00 – 16:45 | Podiumsdiskussion: Übergang Schule – Hochschule Mit Vertretungen von Schulen, Seminaren für Lehrkräfte-Aus- und -Fortbildung und Universitäten |
Dr. Florian Berchtold (U Konstanz): Punktbeziehungen in Dreiecken |
| 16:45 – 17:30 | StD Ulrich Wagner (Otto-Hahn-G Tuttlingen und Seminar Rottweil): Geschichte der Mathematik im Unterricht |
Prof. Dr. Jürgen Roth (RPTU Kaiserslautern-Landau): Grundvorstellungen zur Integralrechnung mit GeoGebra-Applets erarbeiten (Vortrag als Live-Stream) |
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| 18:30 | Öffentlicher Vortrag im Konzil von Prof. Dr. Carla Cederbaum (U Tübingen): Symmetrien in Mathematik und Allgemeiner Relativitätstheorie |
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Die Anmeldung zum Teachers´ Day erfolgt über die Registrierung zum DMV Annual Meeting. Bitte wählen Sie dort die Teilnahmegruppe "Anmeldung nur Teachers´ Day: Lehrkräfte / Referendariat", wenn Sie nur am Teachers´ Day teilnehmen wollen. Die Teilnahmegebühr beträgt 20 €.
Für Teilnehmende an der gesamten DMV Jahrestagung ist der Teachers´ Day inkludiert.
Abstracts der Vorträge
Knoten in der Mathematik
Ein Spiel mit Schnüren, Bildern und Formeln
Meike Akveld, ETH Zürich
Die Knotentheorie ist ein Teilgebiet der Mathematik, das sich mit der Beschreibung, Untersuchung und Klassifikation von Knoten im dreidimensionalen Raum befasst. Obwohl sie ihren Ursprung in der reinen Mathematik hat, bietet sie vielfältige und anschauliche Zugänge, die sich auch für den schulischen Unterricht eignen.
In diesem Vortrag stelle ich eine Unterrichtsintervention für die Klassenstufen 5 bis 8 vor, in der zentrale Ideen der mathematischen Knotentheorie altersgerecht eingeführt werden. Die Unterrichtseinheit umfasst sechs bis acht Lektionen und arbeitet mit realen Schnüren, grafischen Darstellungen sowie einfachen formalen Beschreibungen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Aufbau eines intuitiven Verständnisses für mathematische Invarianten, also Eigenschaften, die sich trotz bestimmter Veränderungen nicht ändern. Dieses grundlegende Konzept wird anhand von Knoten experimentell und schrittweise erarbeitet.
Darüber hinaus fördert die Arbeit mit Knoten gezielt das räumliche Vorstellungsvermögen der Schülerinnen und Schüler, da Knoten gedanklich gedreht, vereinfacht und miteinander verglichen werden müssen. Die Lernenden bewegen sich dabei zwischen konkreten Handlungen, bildlichen Darstellungen und ersten abstrakten Überlegungen.
Neben der Vorstellung der Unterrichtseinheit und der dazu entwickelten Materialien werden erste Ergebnisse und Beobachtungen aus der begleitenden Studie präsentiert, die Einblicke in Lernprozesse und das didaktische Potenzial der Knotentheorie im Mathematikunterricht geben.
Modellieren mit Differentialgleichungen im Analysisunterricht der Kursstufe
Sebastian Bauer, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Authentische Modellierungskontexte in der Analysis, in denen das Modell nicht bereits vorgegeben wird, sind aktuell Mangelware. In dem Vortrag soll vorgestellt werden, (1) wie man aufbauend auf dem Begriff der Änderungsrate Kontexte aus der Chemie und Biologie mit Differentialgleichungen mathematisiert, (2) wie man ausgehend von Begriffsbildung zur Differentialrechnung über Änderungsraten qualitativ das Lösungsverhalten von autonomen Differentialgleichungen bestimmt, (3) wie man in diesem Zusammenhang mit Parametern umgeht und dabei Phänomene wie Kipppunkte entdecken kann und (4) welche Reflexionen über das Verhältnis von Modellen und Modelliertem sich dazu anbieten.
Untersuchungen zu besonderen Dreieckspunkten
Florian Berchtold, Universität Konstanz
Geometrie und speziell Dreiecksgeometrie gehören zu den ältesten Disziplinen der Mathematik, die auch im modernen Schulunterricht immer noch eine wichtige Rolle spielen. Eine der ältesten Beobachtungen der Dreiecksgeometrie ist die Feststellung, dass sich gewisse in einem Dreieck definierten Geradentripel in einem Punkt schneiden. Beispielsweise schneiden sich die Innenwinkelhalbierenden im sogenannten Inkreismittelpunkt des Dreiecks. Bereits in der Antike wurden weitere solche speziellen Punkte eines Dreiecks, wie der Umkreismittelpunkt, der Schwer- und der Höhenschnittpunkt entdeckt.
Nicht zuletzt durch den Einsatz dynamischer Geometriesoftware wie beispielsweise geogebra wurden und werden auch in jüngster Zeit neue solche Punkte gefunden. Auf der Enzyklopädie ausgezeichneter Dreieckspunkte (ETC) von C. Kimberling [CK] werden derzeit über 70000 solcher ausgezeichneter Punkte eines euklidischen Dreiecks aufgelistet. Dazu gehören auch die oben erwähnten bereits seit der Antike bekannten Punkte wie der Inkreismittelpunkt (Punkt X1 der ETC), der Schwerpunkt (X2), der Umkreismittelpunkt (X3) sowie der Hohenschnittpunkt (X4) eines Dreiecks.
In unserem Vortrag nennen wir einige der in jüngerer Zeit entdeckten Punkte und erläutern, wie diese auch im Schulunterricht beispielsweise mit dem Einsatz von geogebra von Schülerinnen und Schülern erarbeitet werden können. Darüber hinaus stellen wir auch einige neue eigene Ergebnisse zu speziellen ausgezeichneten Punkten vor.
Literatur:
[CK] C. Kimberling: Encylopedia of Triangle Centers - ETC,
https://faculty.evansville.edu/ck6/encyclopedia/ETC.htm
Der Wein der Weisheit – Omar Chayyām als Begründer des modernen Zahlbegriffs und als Poet der Lebenslust
Rainer Kaenders, Universität Bonn
Als persischer Intellektueller seiner Zeit war Omar Chayyām (1048-1131) Mathematiker, Astronom, Astrologe, Sufi, Philosoph und Dichter. Mathematisch stellt zum Beispiel sein Übergang vom Größenbegriff des Eudoxos zu einem modernen Zahlbegriff eine Errungenschaft dar, die noch Gottlob Frege erst Isaac Newton zugeschrieben hat. Als erster zeigte Chayyām die Äquivalenz der pharetisch definierten Gleichheit von Größenverhältnissen mit der berühmten Eudoxos zugeschriebenen Definition V in Buch V bei Euklid – bis heute eine tragfähige Grundlage für den Begriff der reellen Zahl. Gleichzeitig war Omar Chayyām ein dem sinnlichen Leben zugewandter weiser Mann, der nach Mehdi Aminrazavi’s bemerkenswertem Buch „The Wine of Wisdom“ im Westen noch Generationen – von meistens „Männern im besten Alter“ in Omar Chayyām Clubs und Gesellschaften – durch seine Weisheit und Poesie in seinen Robā‘ı̄yāt („Vierzeilern“) inspirierte. Auch hierzu geben wir einige Kostproben.
Grundvorstellungen zur Integralrechnung mit GeoGebra-Applets erarbeiten
Jürgen Roth, RPTU Kaiserslautern-Landau
Die Förderung der Verständnisentwicklung bei Lernenden stellt im Fach Mathematik insbesondere in der Oberstufe für Lehrkräfte eine ständige Herausforderung dar. Im Vortrag wird ein Unterrichtskonzept vorgestellt, in dem Grundvorstellungen zum Integralbegriff anhand eines Verständnisankers und einer Reihe von GeoGebra-Applets erarbeitet werden. Dieses Konzept wurde bereits in rund 100 Oberstufenkursen umgesetzt und es liegen empirische Ergebnisse vor, die eine signifikante Verbesserung des konzeptuellen Verständnisses von Lernenden in der Analysis belegen. Unter https://mategnu.de/m/l2 stehen Unterrichtsmaterialien und Handreichungen für Lehrkräfte zu diesem Konzept zur Verfügung.
Die Geschichte der Mathematik…und was man daraus im Unterricht machen kann
Ulrich Wagner, Otto-Hahn-Gymnasium Tuttlingen und Seminar Rottweil
Vorgestellt werden Inhalte aus einem seit Jahren am Seminar Rottweil durchgeführten Ergänzungskurs für Mathematik-Referendare. Es geht darin um eine (zumeist) chronologische Sichtweise auf die Mathematik und auf ihre Entstehungsgeschichte. Dabei werden inhaltliche und methodische Unterrichtsimpulse gesetzt, der Hauptzweck ist aber die Vermittlung eines mathematikgeschichtlichen Wissens, das in praktisch jeder Mathematikstunde einsetzbar ist: Ad-hoc, anekdotisch, witzig, nachdenklich, an spannende Situationen und nicht minder spannende, bisweilen skurrile Personen angebunden. Die Mathematik wird dadurch lebendig, verlässt ihren Elfenbeinturm und gewinnt ganz neue Bedeutung. Man sollte Antworten haben auf die oft gestellte Frage Lernender „Wer hat das wann, wo und warum erfunden?“. Außerdem lädt der keineswegs lineare Entstehungsprozess und seine Anbindung an Geschehnisse und Gestalten der Geschichte zum „Nacherfinden“ der Mathematik ein. All dies sind bedeutsame Parameter für die Motivation Lernender.
